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SUPERBOOTH

SUPERBOOTH ist eine Fotokabine, die Maschinenintelligenz nutzt, um klassische Selbstporträts auf eine neue Art und Weise zu interpretieren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fotokabinen können die aufgenommenen Selbstporträts von den Nutzern in Bezug auf Erscheinungsbild, Geschlecht, Alter oder sogar das grundlegende Motiv mühelos angepasst werden. Neben einfachen textbasierten Anweisungen kann auch festgelegt werden, wie kreativ die Maschine bei der Neuinterpretation des Fotos sein soll. Wie diese Ergebnisse jedoch mit dem eigenen Selbstbild in Beziehung stehen und welche Vorurteile das System möglicherweise mitbringt, wird hier auf eine sehr direkte und interaktive Weise erfahrbar gemacht.

SUPERBOOTH @ Max Ernst Museum Bruehl 2023

SUPERBOOTH – Opening Surreal Futures @ Max Ernst Museum Bruehl 2023

Was hat KI mit mir zu tun?

Heutzutage interagieren wir an vielen Stellen mit digitalen Systemen, die auf maschinellem Lernen basieren. Oft bleibt jedoch im Verborgenen, welche Aufgaben diese Systeme übernehmen oder mit welchen Daten sie trainiert wurden. Sie sind oft eine Art „Blackbox“. Die SUPERBOOTH greift dieses Konzept äußerlich auf, indem sie als eine schlanke schwarze Box erscheint – ein Fotoautomat, der auf generativer künstlicher Intelligenz basiert. Das Besondere an der SUPERBOOTH ist jedoch, dass man diese „Blackbox“ betreten kann und den Output maßgeblich selbst gestalten kann. Die Interaktion mit der bildgebenden künstlichen Intelligenz wird hier zum zentralen Element der Arbeit.

Mit zahlreichen skurrilen Accessoires, passender Studiobeleuchtung und Kamera mit Selbstauslöser bietet die SUPERBOOTH irrwitzig kreative Möglichkeiten für Einzel- und Gruppenaufnahmen. Unter dem Motto „Wer möchte ich heute sein? Womit fühle ich mich repräsentiert?“ lässt sich das aufgenommene Motiv mit einem eigenen Prompt in alle erdenklichen Richtungen manipulieren.

Die Voreingenommenheit von KI-Modellen wird damit für die Besucher der SUPERBOOTH auf sehr direkte Weise erlebbar gemacht: Die verwendeten KI-Modelle, die anhand vieler Mode- und Porträt- aber auch Pornofotos trainiert wurden, spiegeln stereotypische Vorstellungen von Schönheit in Motiv, Komposition, Farbwahl und Details wider. Die selbst aufgenommenen Fotos werden in dieser stereotypischen Anordnung präsentiert, was den Nutzer dazu bringt, sich zu fragen: Bin ich hier wirklich repräsentiert? Wie kann ich kreativ auf diese Anordnung einwirken? Wo liegen die Barrieren dieser Technologie?

Auszug Interview 2024 (details folgen)

Wie kamst du auf die Idee für die Superbooth?
Die Idee ergab sich, wie so oft, aus dem Experimentieren mit der Technologie. Ich unterrichte generative Gestaltung an der BURG Giebichenstein in Halle, wo meine Studierenden und ich an verschiedenen Stellen auf das Potenzial der Bild-zu-Bild-Schnittstelle mit KI gestoßen sind. Die SUPERBOOTH ist eine konkrete Auskopplung eines fortlaufenden Suchprozesses. Kurz gesagt: Es ist immer faszinierend zu sehen, was eine Technologie mit dem Selbstbildnis macht – dabei können wir viel über uns selbst erfahren.

Kannst du in einfachen Worten erklären, welche Rolle KI bei der Installation spielt?
Ein KI-Filter. Das ist die einfachste Erklärung. Es funktioniert recht einfach: Man kann sich selbst, eine Gruppe oder was auch immer fotografieren – dieses Foto wird als Orientierung in Kombination mit einem eigenen Prompt an ein Diffusionsmodell/KI gesendet. Diese generative KI sendet dann ein komplett neu generiertes Bild zurück. Es ist im Grunde genommen ähnlich wie die analoge Fotoentwicklung mit Gelatinefilm, Belichtungsmaschine und Fotopapier – nur mit der Möglichkeit, das Motiv nach Belieben zu manipulieren.

Was reizt dich als Künstler daran, auf diese Weise mit KI zu spielen?
Keine Technologie ist neutral. Auch wenn die Superbooth sehr spielerisch daherkommt, liegt der Arbeit eine Agenda zugrunde: einem möglichst breiten Publikum diese Technologie interaktiv und möglichst ungefilter erfahrbar zu machen. Humor und ein niedrigschwelliger Zugang sind dabei nützliche Werkzeuge. Es geht hier für in erster Linie um demokratische Bildung – denn diese Art von Technologie kann amüsant sein, aber auch zu ernsthaften Problemen führen: Desinformation, Manipulation, Diskriminierung, und vieles mehr! – Deshalb ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen selbst erleben können, was KI kann und welche Auswirkungen das möglicherweise haben kann.

Die Installation war schon an vielen Orten zu sehen. Wo denn überall?
Ich arbeite mittlerweile an der fünften Version. Es gab unter anderem Ausstellungen in Halle und Leipzig, aber auch in Innsbruck, eine dauerhafte Fotobox im Max Ernst Museum in Brühl im letzten Jahr und sogar ein Fotostudio/Clubgeschoss im Haus der elektronischen Künste in Basel. Man kommt schon herum.

Ausstellungen und Aktionen

05/2023 – SUPERBOOTH @BURG / Symposium „In a blink of an AI.“
06/2023 – SUPERBOOTH @ Lange Nacht der Wissenschaften Halle
07/2023 bis 01/2024 – SUPERBOOTH @ Max Ernst Museum / Surreal Futures
12/2023 – SUPERBOOTH @Medientage Innsbruck
01/2024 – SUPERBOOTH|CYBERTOXIC @HEK Haus der elektronischen Künster Basel


zuletzt geändert: 2024-02