ALL MEN 👁 110 | | 2026-02

sketch.men.

Diese Serie zeigt Männer. Festgehalten im grellen Blitzlicht, in jenem entrückten Moment, in dem die Kontrolle bricht. Bewusstlose Körper auf Asphalt, im Treppenhaus, an der Bushaltestelle. Blaue Augen, aufplatzende Haut, der schmierige Glanz von Blut im Straßendreck. Hemden, zerfetzt an den Schultern. Die Kulisse wechselt – die Spirale nicht.

„ALL MEN“ ist eine Studie über ein Skript. Das Skript patriarchaler Gewalt, in das Männer hineinsozialisiert werden und das sie, als Täter und als Opfer, durchlaufen. Diese Gesichter sind generiert – Archetypen, zusammengesetzt aus dem kollektiven Bildgedächtnis von Aggression, Härte und verletzter Ehre. Wir sehen keine Individuen, sondern das Imaginäre von Männlichkeit in ihrer gewalttätigen Entgleisung. Und in ihrem Scheitern.

Doch die Serie dokumentiert nicht nur die Gewalt, sondern auch ihren Gegenimpuls: die Empathie, die die Spirale durchbricht. Sie zeigt Männer, die Männern helfen. Die einen Bewusstlosen halten, nicht schlagen. Die einen Streit trennen, nicht anfeuern. Die mit zitternden Händen eine Wunde abtasten, anstatt eine neue zu schlagen. Hier wird Solidarität nicht aus Kameraderie im Kampf, sondern aus Fürsorge gelebt – eine stille, radikale Exit-Strategie aus dem toxischen Skript. Diese Blicke zeigen nicht panische Anteilnahme, sondern eine tiefe, erschöpfte Menschlichkeit. Sie sind die dokumentierten Ausnahmen, das unvorhergesehene Durchschlagen des Humanen durch die programmierte Fassade der Gewalt.

Die konzeptuelle Stärke liegt in einer radikalen Absenz: Keine Frauen. Keine weiblichen Opfer am Bildrand. „ALL MEN“ zoomt in das System selbst hinein und zeigt seine männlichen Symptomträger – auf offener Straße, im Clubvorfeld, in der privaten Auffahrt. Der Mann mit der Platzwunde ist Ergebnis und Vollstrecker derselben Logik, die verlangt, er müsse hart sein, Dominanz verteidigen, Schmach nicht ertragen. Der neben ihm Kniende, dessen Maske der Gleichgültigkeit in Sorge umschlägt, unterläuft diese Logik im selben Atemzug. Es ist eine Innenansicht der Krise und ihrer möglichen Überwindung.

Die Fallstricke sind allgegenwärtig. Die Ästhetik des direkten Blitzes, des Dreckes, der Wunden, darf nicht fetischisieren. Die Bilder müssen die Hässlichkeit und Tragik des Moments bewahren, statt sie zu ästhetisieren. Die Milieufalle gilt es zu umgehen: Gewalt bricht überall aus. Die Generiertheit der Gesichter dient hier als Werkzeug – sie schafft Typen, die sich einfacher Zuordnung entziehen und so das strukturelle Problem hinter der individuellen Tat sichtbar machen.

Was „ALL MEN“ einfordert, ist ein schonungsloses Hinsehen. Der Ausweg aus der Gewalt beginnt mit ihrer rückhaltlosen Sichtbarmachung und der Anerkennung der bereits praktizierten Brüche in ihrem Ablauf – der Solidarität aus Liebe, nicht aus Dominanz. Diese Porträts – leer, beschämt, erschöpft, fürsorglich, gebrochen – sind Einladungen zur Reflexion. Sie fragen: Was siehst du? Den Täter? Das Opfer? Den Helfenden? Erkennst du in der Geste der Empathie die stärkere Form von Stärke?

Sie konfrontieren uns mit unserer Komplizenschaft in einem System, das Männer zu Gefangenen ihrer erlernten Gewalt macht. Und sie halten uns den Spiegel vor: In der Pixelstruktur dieser generierten Gesichter blickt unsere eigene Deformation zurück. Doch im gleichen Licht liegt, unverkitscht und real, der Beweis: Die Spirale ist kein Schicksal. Sie wird von Menschen gemacht – und von Menschen kann sie gebrochen werden.

break the cycle

sketch.unbeteiligt.

tattooed

tattooed boy

boys dont cry

after beatin

double fuck finger

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