BLITZ 👁 45 | | 2026-01

the midnight III

the midnight

BLITZ – Proposal I

BLITZ ist eine spekulative Mockumentary über den Wunsch nach kollektiver, erotischer Gegenwart in einer Zeit, in der selbst Widerstand, Zusammenhalt und Gegenkultur leicht zur Simulation werden. Der Film entwirft keinen real existierenden Ort, sondern einen Möglichkeitsraum: ein geteiltes Atelier, in dem Mode, Make-up, Fotografie und Musik ineinandergreifen und in dem Menschen versuchen, dem empfundenen cosmic horror der Gegenwart nicht mit Zynismus, sondern mit Energie, Wut, Nähe und ästhetischer Praxis zu begegnen. BLITZ behauptet keine Lösung, sondern macht das Bedürfnis nach solchen Orten sichtbar – und prüft, was passiert, wenn dieses Bedürfnis ernsthaft inszeniert wird.

Formal bewegt sich BLITZ bewusst in einer Zone der Verunsicherung zwischen Dokumentation, Fiktion und generierter Realität. Historische Bezüge, reale Bildfragmente und belegbare kulturelle Referenzen verschränken sich mit spekulativen Elementen und KI-generierten Inhalten, sodass nie eindeutig feststeht, ob dieser Ort existiert hat, existiert oder nur existieren könnte.
Diese Ambivalenz ist ein künstlerisches Prinzip und ein ethisches Risiko. Sie nutzt die Techniken der Desinformation nicht, um zu täuschen, sondern um die Sehnsucht nach Wahrheit in einer postfaktischen Ära zu untersuchen. BLITZ insistiert darauf, dass die entscheidende Frage nicht lautet ‚Ist das echt?‘, sondern ‚Warum wünsche ich mir, dass das echt wäre, oder fürchte ich, dass es das nicht ist?

Ein Ort wie BLITZ ist nicht an eine Adresse gebunden, sondern an Bedingungen – und genau diese Bedingungen sind prekär. Finanzielle Instabilität, ständiger Ortswechsel, Abhängigkeiten, psychische Erschöpfung und interne Spannungen zersetzen immer wieder die anfängliche Euphorie. Eros und echte Ambition erscheinen als treibende Kräfte, werden aber zugleich sichtbar zerrieben von realen ökonomischen und sozialen Zwängen. Die Euphorie der kollektiven Schöpfung steht in ständigem Konflikt mit der unsichtbaren Mühe ihrer Aufrechterhaltung: der emotionalen Last, der unbezahlten Sorgearbeit, der Verwaltung des Mülls und der Erschöpfung.
Die Gemeinschaft in BLITZ ist kein homogenes Kollektiv, sondern ein ständig verhandelter, prekärer Bund zwischen Menschen mit unterschiedlichen ökonomischen, kulturellen und körperlichen Voraussetzungen. Ihr Zusammenhalt ist kein romantischer Konsens, sondern ein oft schmerzhaft ausgetragenes Bündnis.

Die im Film auftauchenden ästhetischen Codes – Anklänge an 80er-, Wave- oder Goth-Visualitäten – sind dabei nicht als nostalgische Stilzitate oder Szenenromantik gemeint, sondern als bewusst problematisierte Projektionsflächen. BLITZ fragt offen, warum gerade diese Bildsprachen immer wieder als Chiffren für Gegenwelt, Intensität und Zusammenhalt herangezogen werden, und inwiefern sie Ausdruck eines eigenen Bias, einer rückwärtsgewandten Sehnsucht oder eines Mangels an neuen Symbolen sind. Der Film nutzt diese Codes, ohne sie zu feiern, und setzt sie der Gefahr der Erstarrung und Klischeebildung aus.

Künstliche Intelligenz ist in BLITZ kein neutrales Werkzeug, sondern ein mitformender Akteur. Sie durchzieht Figuren, Bildwelten, Stimmen, Musik und Montage und steht damit selbst für die zentrale Spannung des Projekts: für Beschleunigung, Rekombination und die gleichzeitige Möglichkeit und Unmöglichkeit von Authentizität.
KI steht in BLITZ nicht für eine äußere Bedrohung, sondern für die Internalisierung unserer eigenen kulturellen Logik: den Zwang zur ständigen Neuerfindung, das Archivieren ohne Erinnern, die Produktion von Bedeutung ohne erfahrbaren Grund. Sie ist der Geist, der über den Wassern dieser prekären Gemeinschaft schwebt.

Im Kern ist BLITZ ein Mythos zweiter Ordnung. Der Film erschafft keinen neuen Warhol’schen Ursprungsmythos, sondern reflektiert die Sehnsucht nach solchen Mythen in einer Gegenwart, die sie kaum noch zulässt. Er zeigt, wie schnell Gemeinschaft zur Pose, Reibung zur Dramaturgie und Eskapismus zum konsumierbaren Stil werden kann – und hält diese Gefahr im Werk selbst präsent. BLITZ lädt nicht dazu ein, die dargestellte Bewegung zu glauben oder nachzuahmen, sondern konfrontiert das Publikum mit der Frage, warum der Wunsch nach kollektiver, sinnlicher Gegenwart so stark ist und warum er zugleich so schwer einzulösen bleibt. In diesem Spannungsfeld versteht sich das Projekt als provokative Probe auf Möglichkeit, nicht als Antwort.

BLITZ make-up

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enhanced make-up sketch

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make-up rendering

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