Methode

Authentiztät als didaktischer Schlüssel
Der Lehrende kann niemals vollkommen objektiv sein – immerhin handelt es sich (noch) um einen Mensch, der von Interessen, Leidenschaften und Abneigungen geprägt ist. Trotz dem Anstreben einer neutralen Haltung wird es in der Lehre immer persönliche Antipathie oder Sympathie beiderseits geben – wie können Wir also mit dieser Barriere umgehen? In meiner Lehre trete ich die Flucht nach vorne an: „Positioniere Dich, denn nur dann können Lernende eine Position zu Dir entwickeln und damit erkennen, was Sie von Dir lernen können!“ – Ich trete damit als Lehrender in die Rolle des „Trainers“ bzw. des Partners im Rahmen der Lehre und tausche Authorität mit Authentizität. Das bedeutet allerdings auch: sich der Klasse als Person aussetzen und sich damit als Lehrender angreifbarer zu machen.

Schaffen Sie Freiräume
Freies Arbeiten wird im Lehrkontext oft benannt, aber nur sehr selten in aller Konsequenz durchgeführt. Kreatives Arbeiten ist maßgeblich geprägt von eigener Initiative und dem eigenen Willen. Dieser Kontrast zeigt ein großes Feld an Schwierigkeiten auf, die sich durch die Frage des Lernenden: „Ist das richtig so?“ bzw. „Wollten Sie das so?“ in aller Konsequenz zeigt. Der Lernende ist sich der eigenverantwortlichen Arbeit nicht bewusst und verlangt nach einem Korrektiv, welches im Großteil der herkömmlichen Lehre einen helfenden, oft strafenden Charakter hat. Wie also damit umgehen? Wie wäre es mit einer Gegenfrage: „Was meinen Sie denn?“

Freiräume für gestalterische Freiheiten zu schaffen bedeutet allerdings auch das Zulassen von „begleitetem“ Scheitern. Dem Lernenden muss es möglich sein ohne externe negative Konsequenz den eigenen Ideen nachgehen zu können – also Erfolg und Scheitern erleben zu können um daraus lernen zu können. Der Lehrende ist dabei stets Begleiter dieses Prozesses.

Spielen als Motor
Zu Spielen bedeutet in erster Linie zu Lernen – das betrifft keinesfalls nur Kinder. Spielerische Methoden sind sehr gut geeignet um intrinsische Motivation zu fördern. Spielprinzipien können aber auch zur Moderation der Lehrinhalte verwendet werden. z.B. „Wer schafft es den größten Turm aus 10 A4 Blättern zu bauen?“ (Vorsicht vor Wettkampfsystemen!)

Spiel ist also in erster Linie Katalysator für ein lustgetriebenes Forschungsinteresse. Bleiben Sie neugierig und stellen Sie sich und ihren Lernenden immer neue Fragen. Welchen Weg sind Sie noch nicht gegangen? Wie haben Sie die Sache noch nicht betrachtet. Vielleicht fällt uns ja spontan auch etwas ein? Denken Sie daran: Wir sind sofort gelangweilt von Dingen, die wir vorab sehen können. Ein kreativer Akt stellt stets eine Problemlösung dar, wie ein Forschungsprojekt, deckt unerwartete Sichtweisen auf und inspiriert dadurch. Arbeiten Sie mit Ihrer Phantasie zusammen!

Lernen wie man selber Lernt!
Der Lehrende sollte in erster Linie der Vermittlers von Lernmethoden sein. Mit welchen Strategien schaffe ich es mir das neue Themengebiet zu erschliessen? Dezentrales Lernen (peer to peer learning), ästhetische Forschung sind nur einige Methode zu nennen. Stellen Sie sich vor allem die Frage: Wie können wir am Besten voneinander lernen? Wie können Sie es schaffen Kompetenzen zu erkennen, wertzuschätzen, zu teilen und damit zu fördern? Denken Sie dabei nicht nur an die Lernenden untereinander, sondern auch an den Lehrenden, aber auch an Personen außerhalb des Lehrkontextes.

Begeistern Sie andere!
Fragen Sie sich zuerst, was Sie selbst interessiert und betrachten sie dieses Interesse als Schlüssel für Ihr Fach, Ihr Thema oder Ihre Arbeit. Nur durch nachvollziehbare Begeisterung können Sie andere Menschen für Ihre Sache gewinnen. Forschen Sie danach und probieren Sie sich aus! Vergessen Sie nicht die Lernenden ebenfalls in Ihren Interessen zu bestätigen!

Was passiert um Sie herum?
Um gestalterisch tätig zu sein brauchen wir weder Pinsel, Schere noch Farben. Kreativ denken bedeutet vor allem die Selbstverständlichkeit der Dinge zu hinterfragen, neu zu entdecken, zu erforschen. Schauen Sie sich um, was könnten Sie aus den Dingen formen, die sie umgeben? Was passiert in Ihrem Haus, ihrem Viertel, ihrer Stadt? Thematisieren Sie und interagieren Sie mit Ihrer Umwelt!

Beherrschen Sie ihr Metier!
Niemand kann alles wissen. Sollten Sie jedoch gestalterische Lehre geben, ist es unbedingt notwendig das sie ihre gestalterischen und handwerklichen Kompetenzen, die Sie lehren – blind beherrschen. Das schließt nicht aus, das sie zusammen mit der Gruppe eine Forschung betreiben und sich in unbekanntes Terrain begeben – sie sollten dann allerdings diesen Prozess explizit umreißen, ihr Nichtwissen thematisieren und wachsam sein!

Jede Lehre ist anders! Es gibt kein Patenrezept.
Betrachten Sie diese Sammlung an Methoden und Erfahrungen als Inspiration. Jede Lehre ist von unzähligen Faktoren beeinflußt und kann daher durch feste Parameter umschrieben werden. Lernen Sie am Beispiel, probieren Sie sich aus.


Der Entwurf eines Manifest

Machen! Machen! Machen!
Übersetzen Sie ihre Lehrziele so oft es sich anbietet in eine praktischen Auseinandersetzung. Denken Sie daran – Wodurch könnten sich die Lernenden ihre Inhalte durch eine Aufgabe selbst erschließen? Gibt es mehrere Wege zum Ziel? Benutzen Sie die Erfahrung, die ein Lernender während ihres Lehrrahmens macht um nachhaltige Lehre zu erzeugen.

Kreieren Sie einen Rahmen – Schaffen Sie Freiräume
Sorgen Sie dafür, das sich alle Beteiligten innerhalb ihres gesteckten Aufgabenrahmens locker bewegen können. Sie setzen einen Anfangspunkt und einen Horizont – den Weg und das Ziel bestimmt jeder Lernende selbstständig! Unterstützen Sie die Lernenden bei ihren eigenen Laufversuchen.

Spielen Sie!
Warum verbringen Kinder einen großen Teil ihrer Zeit mit Spielen? Das Spiel ist eine angewandte Form des Lernens, welche vereinfacht durch die try and error Methode charakterisiert werden kann. Diese Lernmethode ist vor allem  geprägt durch ein umfassendes Lustprinzip. Suchen Sie also nach Aufgaben, die Ihnen und Ihren Lernenden vor allem Freude bereiten und nutzen Sie diese Dynamik um Lehrinhalte darin zu platzieren. Suchen Sie nach Ideen:  Was reizt Sie? Wovor fürchten Sie sich? Was können Sie sich vorstellen?

Halten Sie durch!
Freies Arbeiten verlangt nicht nur Intitative und Flexibilität, sondern vor allem Durchhaltevermögen! Rechnen Sie damit, das Projekte scheitern werden. Rechnen Sie damit das Ihre Lernenden ohne Motivation bleiben – rechnen Sie mit Widerstand. Arbeiten Sie damit und ermöglichen Sie den Lernenden aus ihren Fehlern lernen zu können. Denken Sie an Ihre Wirkung als Vorbild, bzw. als gesonderte Instanz im Lehrkontext.

Prozessorientierung
Verabschieden Sie sich von der Bewertung von Resultaten. Künstlerisch-gestalterische Arbeit ist nur im Prozess erkennbar und kann auch nur als solcher bewertet werden. Legen Sie also Ihren Fokus auf die Bewertung der Entwicklung des Lernenden. Entwickeln Sie einen eigenen Kriterienkatalog, an dem Sie dies festmachen können. Treten Sie in den Diskurs mit dem Lernenden!

Was interessiert Sie?
Der Lehrplan sollte für Sie lediglich als Richtlinie gelten, der im besten Falle, die Ihren Unterricht inspirieren, aber nicht formatieren sollte. Entwickeln Sie eine eigene Position, gehen Sie eigenen Interessen und Fähigkeiten nach – intrinsische Motivation, statt Pauken! Welche Interessen haben Ihre Lernenden? Suchen, Bestärken und Fördern Sie diese im Rahmen ihrer Lehre!

Fordern Sie sich heraus!
Verändern Sie ihre Gewohnheiten! Selbst wenn etwas gut funktioniert, können Sie nur durch die Modifikation herausfinden, ob Ihnen nicht vielleicht ein Aspekt durch die Hände geglitten ist. Fordern Sie sich selbst heraus. Bleiben Sie wach und suchen Sie sich stets neue Herausforderungen!


Die kritische Betrachtung

Kreativität ist nicht Dekoration!
Verwechseln Sie nicht Kreativität mit Dekoration. Formale Ästhetik umreißt nur einen kleine Teil kreativer Arbeit, die vor allem von Imrovisationsfähigkeit geprägt ist. Dies umreißt das Erkennen von Problemen, der Entwicklung von Lösungswegen, Durchhaltevermögen (try and error Methode), Lernfähigkeit in motorischer und psychologischer Sicht.

Die Bewertbarkeit von Kreativität
Kreatives Handeln ist vor allem im Prozess zu erkennen, in den Entscheidungen, die getroffen werden, in den Herausforderungen denen sich gestellt wird. Kreativität ist Forschen, Erkennen, Lernen und Hinterfragen – und nur durch Betrachtung dessen Verlaufes zu erkennen. Die künstlerisch-gestalterische Arbeit nach feststehenden Kriterien zu bewerten weist daher auf ein didaktisches Paradox, da die formale, resultatbezogene Betrachtung nur begrenzte Indizien zum Kreationsprozess geben kann. Auf welchem Weg ist der Lernende auf die Lösung gekommen? Was war der Ausgangspunkt -welche Wege hat der Lernende hinter sich gebracht? – Daher gilt es einen Kriterienkatalog zu entwickeln, der es möglich macht den Kreativprozess abzubilden! Welche Hürden hat ein Lernender genommen – woran ist er gescheitert? Die Form der persönlichen Konsultation bietet sich dafür an und erschafft auch für den Lernenden ein geeignetes Bild zur Selbsteinschätzung. Vergessen Sie nicht, das Lernender und Lehrender einen Lernweg gemeinsam beschreiten, der durch den Lerndiskurs geprägt ist – beachten Sie also stets ihre wechselseitige Beeinflussung und thematisieren Sie diese. Entwickeln Sie daher einen Katalog an Kompetenzen, die Sie für eine Bewertung heranziehen können: z.B. Engagement, Flexibilität, Durchhaltevermögen, Wahrnehmungvolumen.

Lehre von Gestaltung verlangt Virtuosität
Künstlerisch-gestalterische Arbeit findet in erster Linie im Kopf statt und ist ein sehr fordernder Prozess. Gerade zu Beginn sollten Sie eine Sensibilität dafür entwickeln, Gestaltung und Beschäftigungstherapie nicht zu verwechseln. Um Gestaltung als Werkzeug zu Arbeit mit Menschen zu verwenden, ist Ihre Virtuosität im Metier eine Grundvoraussetzung. Nur so verfügen Sie über die Kenntnisse über die Wirkung ihrer Angebote und können ein passendes Verhältnis zwischen Freiraum und Forderung entwickeln.

Es bleibt Ihnen natürlich offen, gestalterische Forschung zu betreiben und sich mit den Lernenden zusammen ein neues Themengebiet oder neues Handwerk zu erschließen. Dafür ist allerdings eine umfassende Planung notwendig um neben der Vermeidung von Unfällen vor allem für einen sinnvollen didaktischen Rahmen zu sorgen.

Konfrontiert mit Demotivation und Ignoranz
Künstlerische Gestaltung wird im Lehrsystem oft von Lernenden, aber auch von Lehrenden herablassend betrachtet: „Wozu brauche ich das?“ – „Ich will doch kein Künstler werden… “ – „Ich will das aber so machen, ich finde das so schön…“ – Frustration durch schlechte Vorerfahrungen sind omnipräsent – der zeitgenössische Kunstbegriff findet nicht statt. Wie also ist es möglich induktiv für das Fach zu Motivieren unter solchen Voraussetzungen? Unter den Methoden finden Sie verschiedene Wege, um einen Zugang zu den Lernenden zu erzeugen – in einem Aspekt treffen allerdings alles Maßnahmen zusammen – das Verhältnis von Lernendem und Lehrendem muss neu verhandelt werden. Fragen wir uns: Wie weit müssen wir gehen?

Das System trainiert Kreativität ab!
Es gibt mittlerweile viele Forschungen und Statistiken, die belegen, das unser aktuelles Schulsystem kreatives Denken nicht nur verhindert, sondern auch nachhaltig stört. Ist kreatives Denken bei Kleinkindern noch zu 30% nachweisbar ist es bei Studierenden nur noch zu 0,5% vorhanden. Hier betrachten wir ein weiteres Paradox, denn Selbstständigkeit, Flexibilität und vor allem Kreativität stehen ganz oben bei den Kompetenzanforderungen für viele Berufseinsteiger. Was also können wir tun?


Wie ist es dazu gekommen?

Wie bin ich zu der Lehre gekommen?
Ich bin diplomierter Designer und vertraut mit den Methoden aus dem Design, aber auch mit künstlerischer Methodik. Ich habe Praxiswissen aus der Kunstvermittlung, wobei mein Hintergrund ist oft ein autodidaktischer war. So war auch die Lehre für mich ein Sprung ins kalte Wasser. Ich stand dem Lehrauftrag mit viel fachlichem und methodischen, aber wenig didaktischem Wissen gegenüber. Meine prägendsten Lehrerfahrungen rühren aus meiner Vergangenheit als Leistungssportler – bzw. aus dem sehr ausgeprägten Trainer-Sportler Verhältnis. Später wurde diese Erfahrung durch Skateboarding erweitert, wo Lustprinzipien und intrinsische Motivation eine Haupttriebfeder sind.

Woran habe ich mich orientiert?
Ich habe mich gefragt:  Was kann ich am Besten vermitteln? Wofür brenne ich am meisten? Was interessiert mich? – Was könnte andere daran interessieren? Was könnten andere dabei lernen? Welcher Lehrauftrag wird von mir erwartet und wie verbinde ich diese Anforderungen mit den mir zu Verfügung stehenden Methoden? – Welche Freiheiten benötige ich? Welchen Rahmen bzw. Vorraussetzungen benötige ich – welchen muss ich schaffen?

Was interessiert mich an der Lehre?
In erster Linie galt mein Interesse dem gemeinsames Forschen. Welchen Effekt kann Gruppendynamik im kreativen Prozess erzeugen? Welchen Nährboden braucht Kreativität und ist es möglich kreatives Denken zu trainieren? Dabei bin ich auf einige interessante Methoden gestoßen, u.a. dezentrales Lernen (peer to peer learning) und der Einsatz von Spielmechanismen im Lehrkontext. (Spielen=Lernen) Motivierend ist dabei immer die Aussicht drauf Diversität und zukünftige Partner im Geiste gewinnen zu können durch die Vermittlung von intrinsischer Selbstmotivation.

Nicht zuletzt spielt für mich der Aspekt selbst etwas zu lernen, mich ausprobieren zu können eine wichtige Rolle. Gerade wenn die Lehre einen forschenden Aspekt einnimmt, verändert sich die Rolle des Lehrenden zum Partner und es entsteht eine temporäre Lerngemeinschaft jenseits. Für mich gilt daher: die Lehre vor allem selbst mitzuerleben und mitzuspielen und damit zu einer echten Erfahrung zu machen.

Mehrere Köpfe denken für gewöhnlich besser als nur ein Kopf. Daher hat mich immer interessiert, was aus dieser Emergenz entstehen kann – welche Widersprüche treten auf, welcher Diskurs wird erkennbar. Gerade durch dieser Herangehensweise wird es möglich Themen in hoher Differenzierung erschließen zu können.