The Theory of Everything*

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Ok, wir haben Postkarten mit computergenerierten Grafiken und den entsprechenden Code auf der Rückseite. Titel „Theory of Everything“. So what?

Die Reihe beschäftigt sich mit den Grundlagen, die mich bis jeher faszinieren als Künstler mit dem Rechner zu arbeiten. Sagen wir mal so: Es geht um die Überraschungen, vor allem die positiven, die einem immer wieder geschehen können.

Welche Form?

Um ehrlich zu sein: Wenn ich Code schreibe, ahne ich zwar, kann aber oft nicht wirklich sagen, was genau passieren wird, wenn ich den Code dann tatsächlich ausführe. Ich liebe diesen kurzen Moment des Kontrollverlustes, der ja nicht wirklich einer ist. Es ist eine Art Dialog, ein stetes Versuchen und Scheitern. – So etwas erwartet man nicht, wenn man von Code oder Programmieren spricht. – Es ist ja genau wie bei jedem Künstler mit seinen Werkzeugen – der Geist und das Werkzeug ergänzen sich im besten Fall – ich denke erst dann kommen wirklich spannende Dinge heraus.

Ich schätze mal, es braucht dafür einige Erfahrung mit Programmieren, um so arbeiten zu können nicht?

Ja und Nein. Auf der einen Seite fängt dieser kreative Prozess schon an, wenn du deine erste Codezeile schreibst. Entweder macht es dann *klick oder nicht. Zum Anderen lernt man mit der Zeit das Handwerk und wir entspannter und virtuoser. Das unterscheidet sich kaum von der Arbeitsweise eines Malers oder Bildhauers.

Ok, wir haben Postkarten mit verschieden Grafiken, nummeriert und auf der Rückseite mit dem Code. Warum diese Form?

Wenn man so will: die „Kunst“ im Code liegt in dessen Struktur, manche nennen das auch Code Poetry – diesen Begriff finde ich aber unpassend. Will heissen: Das Resultat ist zwar einzigartig, aber auch zugleich bedeutungslos, weil ich den Code immer wieder ausführen kann. Es ist also die Bandbreite der Variationen, die die „Seele“ eines Code zeigt. Das klingt schrecklich, andere Worte fallen mir aber gerade nicht ein.

Und deswegen die Karten, die an Merchandise erinnern, aber alle unterschiedlich sind nicht?

Ja genau. Für gewöhnlich werden Postkarten in großen Auflagen gedruckt. Das gibt es so Souvenirständer, das kennen wir alle. Durch den Code und durch die digitalen Printer die ich verwende ist jede Karte verschieden – d.h. jede Karte ist eine einmalige Ausführung des Code. Die 100 Karten die dann herauskommen sind jedoch ein unbedeutender Ausschnitt, denn ich könnte den Code ja unendlich ausführen.

Äh, ok. Das bringt einen schon ganz schön durcheinander.

Ja, man gewöhnt sich dran.

Den Code auf der Rückseite der Karte lese ich dann als Bauplan oder also Motivation selbst etwas auszuprobieren?

Das ist es. Deswegen versuche ich den Code auf maximal 20-30 Zeilen zu reduzieren um kommentiere jeden Schritt so gut es geht um es erfahrbar zu machen wie das alles funktioniert. Code, das ist eine seltsame Sprache, die oft wie ein Puzzle daherkommt. Aber mich nervt diese Mystik, die zur Zeit um Algorithmen schwirren. Dem will ich einen anderen Zugang bieten.

Was genau meinst du mit Mystik des Algorithmus?

Ganz einfach – frag irgendwen was ein Algorithmus ist, wie er funktioniert, wozu er fähig ist. Die Meisten kennen vielleicht den Begriff aber hatten nie die Chance wirklich zu erfahren was das für Dinger sind, die heute unser tägliches „digitales“ Leben maßgeblich formen. – Diese Hysterie um künstliche Intelligenz, das die Maschinen den Menschen obsolete machen. Was für ein Blödsinn. – Ich will dem ganzen negativen, spekulativen und vor allem manipulativen Gewäsch etwas entgegensetzen – etwas positives, produktives vielleicht sogar spielerisches. Das macht mir am meisten Sinn.

Das klingt jetzt schon ganz schön missionarisch, nicht?

Ja vielleicht – aber in jeder Kunstform gibt es solche Misverständnisse. Es ist im Moment einfach sehr dringend und präsent. Stichwort Filterblase, Facebook, Trump. Wenn ich das nicht zumindest mitdenke ist meine Kunst banal.

Warum eigentlich „Theory of Everything“?

Zunächst, es klingt zugleich polemisch, banal und anmaßend. Genauso reflektiere ich unsere digitale Welt im Moment. Da will ich mitmischen und ein paar kleine Kieselsteine ins Getriebe werfen.

Oh, jetzt wird es reaktionär!

Gefällt mir. I Like. Share with my friends. Free Download. Deko an die Wand. Selfie gemacht. 100 Likes. Und eine kleine Bestie mit in die kuschelige Filterblase geschmuggelt. Ist doch großartig! – Nicht das Du mich falsch verstehst: wenn die Leute meine Arbeit als Dekoration oder Merchandise verstehen, dann finde ich das wunderbar. Gerne! Bitte! – Ich begrüße jeden der eine Karte kauft, das Ding verschickt oder an den Kühlschrank hängt. Es gibt da so ein Zitat: „Beauty makes us engage with something.“ oder so ähnlich – das trifft es. Die Karten sind jede einzelne, eine kleine Einladung, ein kleines Tor zu einer anderen Welt. Du kannst dir jeden Moment aussuchen, ob du da durchgehst oder nicht. Das ist doch wundervoll nicht?

Schon, wenn auch ein wenig rabiat umschrieben.

Ja, ich bin ja nicht ohne Grund Künstler geworden anstatt Verkäufer.

Haha, klar, macht Sinn. Das sollten dann besser andere für Dich machen nicht?

Ja, gutes Stichwort: Die Karten gibt es in ausgewählten Museums- und Geschenkshops, aber auch bei Shows von mir zu kaufen. Wie man das so kennt mit Merch. Was es alles gibt, findet sich auf http://thetheoryofeverything.org

Danke für die Zeit! Viel Erfolg!

Danke++;

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