Obzöne Systeme*

c2

obszön – anstößig, schamlos, unfein, unsittlich, gewagt, ordinär, pikant, pornografisch, schlüpfrig, schmutzig, unziemlich, wüst, zuchtlos, gewöhnlich

System – Apparat, Methode, Ordnung, Organisation, Plan, Schema, Einheit, Einteilung, Zusammenhang

Das Obzöne im systemischen kann keinen Bezug haben zu unseren kulturellen Empfinden – betrachtet man lediglich das System als eine abstrakte Reihenfolge von Handlungsanweisungen. Erst die Abbildung aus diesen Handlungen sowohl als Konzept, Prozess oder Ergebnis erzeugt in uns eine Begrifflichkeit, die wir auf unsere Kultur beziehen können.

c1

Was macht ein System obszön?

Unsere Welt wird bestimmt von starken und schwachen wechselwirkenden Kräften. Deren Wirkung erzeugt die Formen, die uns umgeben – von der Entstehung bis zum Verfall. Diese systemische Didaktik übersteigt in ihren komplexen Ausformungen unser Begreifen – wir sind jedoch stets in der Lage, durch unser hochsensibles Sinnessystem, Abweichungen von „Natürlichkeit“ auszumachen.

Die Natur produziert keine exakt geradlinigen oder rechtwinkligen Formen. Die meisten von Menschen geschaffenen Objekte greifen allerdings rein aus produktionstechnischen Gründen auf dieses „einfache“ Formgebung zurück. Würde man die von Menschenhand erzeugen Objekte den Naturgewalten überlassen, entstünden abermals amorphe Formen.

Unsere formgebenden Systeme wirken also entgegen der natürlichen Ergonomie. Man könnte dies auch auf formaler Ebene als „ineffizient“ oder auch „ignorant“ bezeichnen. Die Reihe „Obszöne Systeme“ verhandelt diesen Gedanken auf formalästhetischer Ebene. Zugrunde liegen dabei stets systemische Eingriffe, die „unnatürliche“ Formen erzeugen, die wir als temporär, erzwungen – als obszön bezeichnen können.