The Levitated Body*

haus

Das Kunsthaus in Graz – „the friendly alien“

Das Kunsthaus in Graz bildet einen architektonischen Schlüsselreiz im Stadtbild. Das „friendly alien“ bildet mit seiner fliessenden Formgebung einen Kontrast zur umgebenden traditionellen Bauweise. Auffallend ist vor allem die Außenhülle des Gebäudes, in dem die klassischen Strukturen wie Wand, Dach und Fenster aufgelöst sind. Diese Hülle ist zur Flussseite mit einer gebäudeumspannenden Medienfassade versehen, die sich direkt unter der Verkleidung befindet. Als Leuchtquellen dienen 56×25 Leutstoffringe, die dimmbar über eine Matrix angesteuert werden können.

flow sketches from flat to high turbulence - inkpen on paper

flow sketches from flat to high turbulence – inkpen on paper

Die Belebung toter Materie

Das Gebäude allein bietet eine Grundlage für Assoziationen von organischer Natur. Daher beginnt die Arbeit mit dem grundlegenden Gedanken: Wenn wir das Gebäude als einen lebenden Organismus betrachten, woran können wir diese Lebendigkeit erkennen? Welche Vorgänge sind für uns unsichtbar? Welche Mittel benötigt es die Vision einer Belebung toter Materie zu ermöglichen?

the form as a consequence of dynamics of physical forces

the form as a consequence of dynamics of physical forces

Der Körper

Zunächst gilt es eine kleine Bestandsaufnahme herzustellen: Was können wir von Außen erkennen? Was findet im Inneren statt? Welcher Dialog findet zwischen dem Innen und Aussen statt? Was schwebt in der Luft? Was kann von der Vergangenheit, der Gegenwart oder gar der Zukunft sichtbar gemacht werden? In welchem Zusammenspiel finden wir die architektonische Form und dessen eigentliche Nutzung. – Bzw. was wäre anders, würde das Haus eine andere Form besitzen? Betrachten wir das Gebäude als einen Organismus, der sich durch sein kulturelles Umfeld formt, aber auch dieses wiederum prägt. Womit ist es belebt? Wie funktioniert der Organismus?

Ausserhalb des Körpers

Ideen, Wissen und Diskurs entsteht, zirkuliert und vergeht im Körper des Gebäude – stimuliert vom Einfluss der Aussenwelt über die Membran des Gebäudes. Das Kunsthaus ist trotz aller Offenheit stets ein hermetischer, aber auch geschützter Raum. Die Analogität zu einem Gewächshaus sei an der Stelle genannt. Welcher Natur sind die einflussreichsten Faktoren auf das Haus? Welches sind begrüßenswerte Einflüsse, welche Faktoren gilt es zu reduzieren? Was gilt es vom Haus anzuziehen, was abzustossen? Was wird sichtbar? – Die Membran, also die Außenhülle des Gebäudes spielt hierbei eine wichtige Rolle – sowohl als physikalische Trennlinine, aber auch als metaphysische Schicht zwischen innerem und äußerem Denken.

Im Inneren des Körpers

Die Metaphysik der Gedanken und Inhalte die innerhalb des Körpers zirkulieren folgen einer eigenen Dynamik und Ordnung (Entstehung, Transport und Verfall von Gedanken durch Menschen im Körper). Durch das Betreten des Gebäudes erfährt der Besucher eine Veränderung der eigenen Metasphäre – denn er/sie betritt einen geschützten, jedoch nicht undurchlässigen Raum. Betrachten wir das Gebäude als Körper, so können die kleinsten Interaktionen innerhalb dessen verschiedene Konsequenzen erzeugen, die sich sichtbar in Form und Membran äußern können. Stellen wir uns den Besucher vor, welcher sich durch den Korpus bewegt – erblickt stets nur einen kleinen Ausschnitt der gesamten Metaspheäre des Gebäudes/Körpers, die sich nicht nur auf den Gebäuderaum, sondern global erstreckt. Der Besucher kann nur durch die Kombination der erblickten Teile zum Bild eines Ganzen gelangen.

KONZEPT: the information bloodstream

Lebende Materie lässt sich anhand eines elementaren Kriterium von unbelebter Materie unterscheiden: durch einen erkennbaren Stoffwechsel. Was wird demnach im Inneren des Körpers ausgetauscht? Welche Organe sind zu finden? Was ist deren Aufgabe?
Übertragen wir die Analogie eines Organismus auf die Elemente eines Kunsthauses, so haben wir die Besucher, das Personal, den Eingangsbereich, den Ausstellungsbereich, Kunstwerke, Bibliothek, Büros, Werkstätten, Depot die in einer direkten Abhängigkeit zueinander stehen. Welchen Stoffwechsel können wir zwischen den Elementen beobachten? Welche Informationen entstehen für den Besucher durch die Betrachtung dieses Stoffwechsels?

installation sketch with readable entities

installation sketch with readable entities

Informationen sind für uns keine Elemente, die wir physikalisch, also mit unseren Händen berühren können – und doch wollen wir deren Zusammenhang begreifen. Begreifen wir Informationen wie Licht, so ergibt sich eine Spannende Parallele – Licht und Information sind beide für uns nicht physikalisch greifbar und doch doch präsent und raumfüllend. Wie kann daher Licht ein Träger der körpereigenen Informationen sein – und was wird zu sehen sein? Zunächst gilt es die vorhandenen Organe und deren Funktion zu identifizieren. Beispielsweise: Welche Rolle spielt die Arbeit des Depot und der Kuration im Zusammenhang mit der betrachteten Arbeit im Ausstellungsraum? Welche Art von Zirkulation finden wir im Foyer vor?

visualization studies - hand/floor projection

visualization studies – hand/floor projection

KONZEPT: touching the information stream

Informationen sind für uns begreifbare, aber keine greifbaren Dinge im physikalischen Sinn. Wären wir in der Lage Informationen oder Informationsströme physikalisch zu begreifen – wie würde sich dies anfühlen? Welche Formen haben Informationen? Wie sieht ein Informationsfluss aus? Wo befinden sich die Informationen, bzw. wohin fliessen Sie?
Ausgangspunkt dieser Arbeit sind die Vital- und Ausstellungsrelevanten Daten, die vom Gebäude erzeugt werden. Diese Quellen gilt es in Licht, Ton und Form zu übersetzen und für den Besucher erfahrbar zu machen.

The dosis of information

Neben den Inhalten einer aktuellen Ausstellung ist der Besucher mit einer großen Anzahl an Reizen konfrontiert, die entsprechend zugeordnet werden müssen. Ob die Architektur des Hauses, das aktuelle Befinden oder das aktuelle Interesse – worauf sich ein Besucher im Kunsthaus fokussiert hängt von vielen Faktoren ab, nicht anzusehen sind. Bleibt das Angebot also dem reinen Zufall überlassen? – Die Dosierung der Information, die Auswahl der Informationsblase, die der Situation des Besuchers am meisten zusagt wird unbewusst, oft in Millisekunden getroffen.

Unsere organische Sensorik und unsere kuturelle Konditionierung befähigt uns in einer großen Bandbreite und Schnelligkeit Situationen einzuschätzen und für uns wichtige Informationen zu filtern. – In der digitalen Welt ist diese Vituosität eingeschränkt. Warum?
Es gibt keinen wirklichen Dialog im digitalen – lediglich Abfragen, die durch Filter spezialisierte Ergebnisse anbieten. – Wie könnte demnach ein für uns „echter“ Dialog im digitalen übersetzt werden?

Rethinking the digital dialog

Orientieren wir uns am Vorbild einer Unterhaltung unter Freunden: Kennen sich beide Personen gut, so verfügen beide über die Idee eines Interessenprofils des Anderen.
> Buch empfehlen > 1ter Versuch: abneigung — 2ter Versuch: wenig interesse — 3ter Versuch: ok, ich versuchs – Algorithmus macht das nicht! > Mensch kann das > kann Interesse + Aufmerksamkeit beeinflussen! – Ist das im Digitalen möglich? Gehört das dort überhaupt hin?

What the body might tell us

Das Innere des Körpers können wir als einen eigenes System betrachten, welches maßgeblich von äußeren Reizen beeinflusst wird. Dieser Informationsfluß ist allerdings nicht nur einseitig, sondern fließt auch entgegen – also von Innen nach Außen. Was könnte uns der Organismus mitteilen? Gibt es Bedürfnisse oder Absichten, die das „friendly alien“ besitzt und wie werden diese manifestiert?

Körper Ist wie eine Blase aus Info
Individuuen sind ebenfalls Blasen aus Info
Stadt ist eine Blase

Wonach sucht der Körper, was ist die Aufgabe? – Beispiele aus der Natur finden! Daraus ein Verhalten entwickeln!

mögliche Kommunikationsmittel nach aussen = Fassade + Appliktionen + Web