asemic drawing

Die asemantische Zeichnung, insbesondere die des Schreibens von „Buchstaben“ – entzieht sich unserer klassischen Vorstellung von Darstellung von Inhalten. Während unser Sprach- und Schriftsystem auf semantischen Zusammenhängen basiert betrachten wir in dem Fall eine visuelle Sprache, die sich auf keinen spezifischen Inhalt bezieht. Wir sehen eine subjektive Übersetzung des Zustand des zeichnenden Körpers. Was wollen wir in dieser – sehr diversen – visuellen Form erkennen? Was hat das mit uns zu tun?

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Algorithmus

Die Bedeutung des zugrundeliegenden Zeichenalgorithmus ist ein interessanter Schlüssel zu Deutung der Abbildung. Der Unterschied zwischen den Abbildung #1 und #2 – zeigt die formale Konsequenz einer algorithmischen Festlegung. Die Formen der zweiten Abbildung wirken auf uns geordneter, einfacher differenzierbarer als die diversen Strichformen, Federrotationen der Abbildung #1. Ist also der Algorithmus eine Grammatik auf der eine Lesbarkeit aufbauen kann?

Subjektivität und der Wille der Deutung

Die Erstellung also auch die Interpretation asemantischer Zeichnungen sind maßgebilch durch subjektive Parameter geprägt. Es ist für uns in rational/akademischer Sprache nicht möglich vergleichende oder allgemeingültige Aussagen zu den Zeichnungen zu treffen. Eine technische Analyse könnte uns zwar die Parameter der Abbildung anzeigen, doch wie diese wiederum vom Betrachter interpretiert werden, bzw. vom zeichnenden Körper interpretiert wurden – ist sehr schwierig zu analysieren. Sind die Abbildungen also damit nur eine visuelle Stimulanz? Ein Zufallsprodukt eines automatisierten Zeichenprozess?

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Subjektivität und Uneindeutigkeit

Lassen wir die akademisch/rationale Konventionen zunächst beiseite und betrachten die Zeichnung als eine Art der Aussage des zeichnenden Körpers. Setzen wir den Betrachter und den Zeichner in einen Dialog, d.h. beide Körper zeichnen und lesen innerhalb eines visuellen Tauschverfahrens. Was können wir erwarten? Ziehen wir den Vergleich zu unserer geschriebenen Sprache: Lesen wir den Text eines anderen Menschen, so bewirkt dessen Inhalt eine Reaktion. Dies Reaktion können wir wiederum in Text formulieren und an den Absender zurückschicken. Es entsteht ein Dialog auf „schriftlicher“ Ebene. Da Schrift und Sprache auf einem System beruhen sind wir in der Lage beide optimal zusammenzubringen. Kommen wir nun zur Zeichnung zurück: Ohne Zweifel erzeugt die graphische Darstellung ebenfalls eine Reaktion beim Betrachter. Unsere Sprache beruht allerdings auf einem anderen System, daher fällt es uns schwer die richtigen „Begriffe“ zu finden um das was wir erfahren auszudrücken. Dieses Problem lässt sich auf den Unterschied der Sprachsysteme zurückführen: Unser Sprach- und Schriftsystem beruht auf semantischen Verbindungen, während die asemantische Sprache auf die Konstellation von Form, Konflikt, Dichte beruht und uns an die Formen, die wir in der Natur wiederfinden können erinnert. Wir sollten uns also fragen: Woher kommen diese asemantischen Zeichnungen? Welche Verbindung gibt es zu dem was uns als Mensch und Individuum ausmacht und unseren asemantischen Formen, die wir formulieren?

  • Zusammenhang zwischen Individuum und Form – gibt es eine individuelle Formsprache? Wie wird diese geprägt?
  • Ist die asemische Zeichung ein Werkzeug zum Dialog? Welche Versuchsanordung können wir entwicklen um Indizien für dessen Möglichkeit/Relevanz zu bekommen? Was genau können wir überhaupt „verstehen“ von dem was wir sehen?
  • Nicht meßbar ist die emotionale Kommunikation, die wir durchaus bei der Betrachtung der Zeichnung ausmachen können. Warum berührt uns die Zeichung, was sind die Paramter dessen? Was löst die Zeichung bei uns aus und welche individuelle Unterschiede gibt es?
  • —- LINKS

    http://www.lboro.ac.uk/microsites/sota/tracey/journal/index.html
    https://en.wikipedia.org/wiki/Asemic_writing