another framework to discover complex information in algorithmic drawings

Die geeignete algorithmische Zeichnung mit Tuschestift auf weißem Papier bietet uns die Möglichkeit nahezu alle Elemente der Zeichnung parametrisch eindeutig zu beschreiben. Wenn wir dabei von einem einfachen Strich ausgehen, kann beispielsweise dessen Länge, Position, Rotation und Krümmung ausgemacht werden. Aus der Variation dessen entstehen sehr unterschiedliche Morphologie die Zeichnung. Betrachten wir die Zeichnung als Abbild einer rein visuellen, nicht-symbolhaften Sprache können wir die einzelnen Striche als Vokabular und die strukturelle Varianz dahinter als Grammatik bezeichnen. Nachfolgend bereiten wir einige Kriterien und Leseregeln, nach welchen Aspekten wir eine algorithmische Zeichnung visuell analysieren können um die parametrische Konstellation hinter der Zeichnung zu erkennen.

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#Metadaten sind in der Zeichung

Wir können den Hinweis darauf legen, in welchem Zeitraum die Zeichnung entstanden ist, an welchen Ort, auf welchem Material oder auch wie das Befinden des Körper zugegen war. Diese Parameter sind wichtige Faktoren zum Entstehungsprozess und werden innerhalb dessen durch den Körper zu einer Form gebracht. Da wir diese Form analysieren werden, sind also alle genannten Parameter bereits enthalten.

#Gruppierung/Differenzierung

Die algorithmische Zeichnung basiert auf Punkten bzw. Strichen. Diese graphischen Element können durch einige Merkmale unterschieden werden. Dazu zählen Länge, Position, Rotation, Krümmung, Oszillation, Abstand zum Nachbarn oder Ähnlichkeit zum Nachbarn. Anhand dieser, u.a. Kriterien sind wir in der Lage die Darstellung in Gruppierungen zu unterteilen. Diese Gruppierungen können durchaus ineinander greifen.

#Aufteilung/Positionierung

Wie sind die Gruppierungen angeordnet? In welchem Mengenverhältnis stehen die Regionen zueinander, bzw. greifen diese ineinander – in Relation zur gesamten Zeichung?

#Morphologie

Die klar zu definierenden Regionen werden oft durch Übergänge verbunden. Wie findet diese Transformation statt? Welche Parameter nähern sich an? Welche Paramter erfahren einen Abbruch?

#Dynamik

Die Kombination von mehreren ähnlichen graphischen Elementen gleicher Ausrichtung erzeugt für unser Auge eine wahrnehmbare Dynamik. Denken wir an die Illustrationen von Wind auf Wetterkarten, die sowohl Richtung, Krümmung, als auch Geschwindigkeit des Windes darstellen. Folgend diesem Beispiel können wir beispielsweise Dynamiken in Form von „Flußrichtung“, „Turbulenzen“ und „Verödungen“ ausmachen.

#Konflikte / Irregularitäten

Das Regelwerk auf dem die Zeichnung beruht, bietet dem Körper zwar eine konkretes Handlungsraster, ermöglicht aber auch Konflikte und Brüche innerhalb des Entwicklungprozesses und damit erkennbar im Resultat. Welche dieser Konflikte lassen sich erkennen? Was ist ein Konflikt? Wodurch könnte dieser entstanden sein?

Die Frage nach der Entstehung

Die genannten Analysekriterien können wir als Indizien dafür verwenden um die Frage nach der vermeintlichen Entstehung der Zeichnung, bzw. dessen Morphologie zu stellen. Nehmen wir als Hilfestellung das Wachstum einer Gewebestruktur her. Betrachten wir dieses unter einem Mikroskop, so können wir mit geschultem Auge erkennen, in welchen Bereichen neuere oder ältere Zellen vorhanden sind, welche Wachstumsereignisse stattgefunden haben. Mit derselben Methodik gilt es die zeichnerische Darstellung zu betrachten. In welchem Verhältnis stehen die einzelnen Regionen, Dynamiken und Übergänge zueinander? Wie ist die vorhandene Struktur entstanden bzw. welche Einflüsse haben gewirkt?

Warum spielt die Frage nach der Entstehung eine Rolle?
Die dargestellte Zeichnung können wir als eine Art Notenblatt oder als Datenbank verstehen, dessen Inhalt wir mit den o.g. Methoden entschlüsseln können. Das Werk ist dabei als Ganzes, sondern im Laufe eines abgeschlossenen Prozess entstanden. Der Körper kann nur durch kleinteiliges Einwirken auf das „Gesamte“ – einen Einfluß ausüben. Was wir also sehen ist das Resultat eines nonlinearen Gestaltungsprozesses, welcher erst nach dessen Beendigung zu einer Aussage kommt. – Welche Aussage ist das? – Nehmen wir die statistischen Daten, wie der Strichmenge oder die durchschnittliche Strichlänge – sind das nur bare mathematische Fakten, die uns keinen kontextuellen Hinweis geben. Betrachten wir allerdings die Metaebene der Zeichnung, die wir durch die o.g. Fragestellungen erkunden, so sind wir in der Lage eine Reihe von Indizien aufzufächern, die miteinander verwoben sind. Dieses Netzwerk an Feststellungen können wir auch als Konstellation verstehen, die hinter der Zeichnung steht. Ähnlich einer mathematischen Gleichung mit unbekannten Variablen kennen wir den genauen Kontext der Zeichnung nicht, aber wir können die Verhältnismäßigkeiten zueinander beschreiben.