drawing as a process of growth

Das Wachstum einer Pflanze ist maßgeblich vom genetischen Code abhängig, aber auch von den sensiblen Parametern, den äußeren Einflüssen (Tropismen) bestimmt. Lichteinfall, Nährstoffe, Gravitation und Temperatur sind einige wichtige Parameter, die den Wachstumsprozess beeinflussen. Der umfassende Bauplan, bzw. das Regelwerk des Wachstums finden wir in der vererbten genetischen Information. Die Regelwerke von Pflanzen sind faszinierenderweise ideal an die Bedingungen ihrer Umwelt angepasst und können je nach Einfluss in sehr unterschiedlichen Gradationen vorkommen.

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Ähnlich dem Pflanzenwachstum basiert der Prozess des algorithmischen Zeichnens ebenfalls auf Regelwerk und dem Einfluß von äußeren Bedingungen. Zählen wir dabei das Befinden des zeichnenden Körper dazu, so lassen sich viele Parallelen zwischen den Prozessen ziehen. Die Zeichnungen sind maßgeblich von der Oberflächenbeschaffenheit, dem Lichteinfall, aber auch der Kondition des zeichnenden Körpers bestimmt. Nehmen wir also die Hürde und setzen beide Prozesse zueinander. Was können wir am Wachstum einer Pflanze erkennen, was wir in der Morphologie einer Zeichnung entdecken können?

Eine Pflanze ist ein direkter Indikator für den Zustand und die momentanen Bedingungen der Natur. Wuchshöhe, Abstand, Befall oder Beschnitt geben Indiz für die Konstellation von Parameter, auf die das Gewächs einwirkt. Übertragen wir diese Erkenntnis auf die Zeichnung, so erkennen wir auch dort einfallende Parameter, wie Oberfläächenbeschaffenheit, Lichteinfall oder körperliche Kondition. Wohingegen das Pflanzenwachstum vor allem durch physikalische/chemische/biologische Parameter beinflußt wird – ist der zeichnende Körper durch Kultur und Befinden geprägt und transportiert diese Einflüsse direkt in die Zeichnung. Aspekte kultureller Formsprache, ästhetischem Grundverständnis und logischem Denken fließen daher direkt in die Zeichnung ein. Der Zeichenalgorithmus kann in dem Zusammenhang als formale Grammatik für ein Vokabular verstanden werden, das der zeichnende Körper bewußt oder unbewußt formuliert.