drawing a topography flowmap of the mind

Der Körper ist vor und während des Zeichenprozeß von vielen Parametern beeinflußt. Befinden, Stimmung, Wetter, Lichtverhäältnisse prägen die entstehende From maßgebilch. Diese Parameter können in grobe Kategorien aufgeteilt werden und sollen folgend exemplarisch aufgelistet werden:

Basisparameter

  • Position – die aktuelle Position des Körper in Breiten- und Längengrad
  • Orientierung – die aktuelle Orientierung in Himmelsrichtung
  • Höhe – die aktuelle Höhe des Körper zum Meeresspiegel
  • Temperatur – die aktuelle Temperatur, dem der Körper ausgesetzt ist
  • Luftfeuchtigkeit/Luftdruck – die aktuelle Luftfeuchtigkeit
  • Bodenbeschaffenheit – das Relief der Zeichenoberfläche
  • Physiologie der Körpers

  • körperliche Konstitution – die physologische Konstitution des Zeichenkörpers
  • körperliches Befinden – aktuelles Befinden/Tagesform
  • Psychologie der Körpers

  • psychisches Befinden – allgemeiner psychischer Zustand
  • Aufmerksamkeit/Konzentrationsfähigkeit – Tagesform und allgemeine Kapazität
  • Parameter aus Umwelt/ kulturelle Einflüsse

  • territorialer Bezug – kulturelle Bedeutung des Zeichenortes/-mediums
  • kulturelle Konditionierung – ästhetische, logische Konditionierung auf Form
  • skizzen

    Was wird durch den Zeichenprozess abgebildet?

    Parameter wirken als komplexe Konstellation auf den Körper ein

    verschiedene Parameter konkurrieren um prominenten Einfluß: z.b. Raum, Kontext, Obrfläche, Erschöpfung, Unkonzentiertheit, aber auch Inspiration, Flow und Euphorie

    Aus einzelnen (nicht bewußten) Impulsen konfiguriert sich eine Tendenz, die durch das Befolgen des Zeichenalgorithmus des Körpers in einer formalen Regelhaftigkeit widerspiegelt. Die Zeichnung deutet nunmehr auf immer spezifischere ästhetische Entscheidungen. Aus den o.g. zunächst zusammenhangslosen Parametern deutet der Körper ein formales Abbild, eine wenn auch ungenaue, unscharfe Skizze einer urbanen Metaebene. Der gesamte Umfang dieser Skizzierungsmethode liegt in bewußten, aber auch unbewußten Entscheidungen und offenbart sich während des Prozesses und ist schon zu diesem Zeitpunkt Richtungsweisend, aber auch im Nachhinein, bei einer Betrachtung mit Abstand lassen sich weitere Indizien erkennen.

    Deutung von beliebigen Darstellungen? Worüber sprechen wir?

    Kritisch betrachtet lässt sich die dargestellte Zeichenmethode als aleatorische, an systemische Regeln gebundene, gererative Gestaltung bezeichnen. Unterstellen wir dem Körper eine Beliebigkeit in den ästhetischen und logischen Entscheidungen. Trotz aller Beliebigkeit lassen sich bei jeder Arbeit spezifische formale Merkmale festmachen – die oft auf einer Reihe von ästhetischen und logischen Entscheidungen basiert. Deren Ursprung können wir nicht genau benennen – handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Konstellation von beeinflussenden Parametern. Wir wissen also DAS es einen spezifischen Einfluss gibt, der sich auf einer formalen Ebene manifestiert – wir können nicht benennen, WIE die Parameter beeiflussen.

    Wissenschaftliche Methodik

    > parameter einzeln beeinflussen – Beobachtungen machen > zuviele Parameter!
    > wiederholbarkeit des Versuches > nicht möglich, weil jeder Körper individuell + nicht widerholbar

    Der Körper – die Datenbank

    > Körper gefüllt mit kulturellem Input, ästhetischen Vorbildern.
    > Methode stößt konkrete Raumsituation + Körper aufeinander und fordert den Dialog.
    > könnte auch Gedicht sein, aber methode sehr körperlich, visuell + simpel.
    > Visualisierung von Daten aus Körper.

    Die Abbildung von nicht lesbarem Wissen

    So streng wir die Metadaten die während des Zeichenprozesses erfassen – selbst unter Einbezug von ambivalenten Aspekten, wie dem Befinden oder spontanen Geistesblitzen – bleibt die Zeichnung für uns auf vielen Ebenen unlesbar – begründet auf der Ambivalenz der Parameter, aber auch unserem Unvermögen unser eigenes Befinden oder spontane Ideen präzise zu bewerten. Welchen Mehrwert können uns die Zeichnungen trotzdem geben?

    Die Antwort liegt im Bewertungssystem

    Beleuchten wir unser Bewertungssystem das nicht zuletzt auf kulturellen Säulen fußt. Wir betrachten eine Behauptung als erwiesen, wenn diese auch in einer Wiederholung zum selben Ergebnis führen kann, wenn wir auf bereits fundierte Erkenntnisse aufbauen und damit unsere Wissenspyramide weiter aufbauen können. Rational betrachtet ist diesem Denkmodel nichts entgegenzusetzen, ganz im Gegenteil, sogar beizupflichten. Könnte es nicht dennoch so sein, das wir neue Erkenntnisse nur dadurch gewinnen können indem wir unser Bewertungssystem, unsere Sicht auf das Problem verschieben?

    Die einzigartige Konstellation

    Auf komplexe Fragen gibt es oft entsprechend komplexe Antworten. Was erwarten wir, wenn wir also die Frage nach der eigenen Identität, dem eigenen Dasein stellen? So komplex wir unsere Welt wahrnehmen spiegelt sich darin ab, wie wir – bzw. wie unser Gehirn strukturiert ist. Spätestens mit dieser Betrachtungsweise wird klar, das jede Zeichnung auf einer einzigartigen Konstellation an Parametern aus äußeren Einflüssen und kognitiven, individuellen Denkprozessen basiert und sich damit jeder Vergleichbarkeit entzieht.
    Trotz allem blicken wir auf differenzierbare graphische Darstellungen, die sich eine Beliebigkeit entziehen. Was wird also wirklich abgebildet?

    the language unknown

    Unsere gesprochene/geschriebene Sprache basiert auf einem System aus Regeln und Elementen, die wir anwenden um Informationen auszutauschen. Die Elemente (Wörter/Laute) werden zu einer linearen Struktur geformt (Satz/Absatz/Text) und verbinden damit Informationseinheiten zu einer logischen Kette. Hören wir eine uns unbekannte Sprache, verlieren wir den Kontext und die Laute verschwimmen zu einer formalen Kette. Auf dasselbe Phänomen treffen wir beim Betrachten der besprochenen Graphiken. Wir blicken auf eine formale Struktur, deren Grammatik und Elemente uns noch unbekannt sind. Ziehen wir demnach die Parallele: Wie lernen wir eine uns unbekannte Sprache?