diary of a drawing performance

Der Zeichenprozess ist geprägt von logischen und ästhetischen Entscheidungen. Gerade bei der Arbeit mit Formaten in Übergröße treten dabei interessante Aspekte gerade in Hinsicht auf inherente und äußerlich bedingte ästhetische Entscheidungen auf. Einige Indikatoren die zu nennen wären:

  • Örtliche Bedingungen/äußere Einflüsse
    Welcher Grundriß ist zum Zeichnen zur Verfügung? Wie ist die Bodenbeschaffenheit? Gibt es ein Gefälle oder Hindernisse? Welche Wechselwirkungen zwischen ästhetischen Entscheidungen und den örtlichen Gegebenheiten zu erkennen? Wie werden, bzw. können diese durch den algorithmischen Prozess integriert werden? Wie entscheidet sich der Körper innerhalb der Performance?
  • Systemische Einflüsse
    Während des Zeichenprozess werden vom Körper auffallend oft Entscheidungen aufgrund einer ästhetischen Didaktik getroffen, die keiner expliziten Regel des Zeichenalgorithmus folgen. Dazu zählen oft Ergänzungen, bzw. Verfeinerungen der vorhandenen Strukturen die zu einer ausgeglichenen, „schlüssigeren“ graphischeren Lösung führen. Welche Entscheidungsraster stecken dahinter, bzw. welche kulturellen und kognitiven Einflüsse spielen eine Rolle?
  • anatomische, konditionelle Einflüsse
    Der zeichnende Körper ist in Hinsicht auf Reichweite, Fokus, Ausdauer und Vitalität rein biologisch begrenzt. Daher hat die körperliche Kondition, die Tagesform, aber auch der Einsatz von Zeichenhilfsmitteln wie Knieschützer und Rollbretter einen entscheidenden ästhetischen Einfluß. Auch sogenannte „Flow“ Phasen sind von prägnater Bedeutung, da gerade in diesen hochproduktiven Abschnitten die Gestalt der gesamten Zeichung stark geprägt werden. Der performative Zeichenprozess ist zudem im Gegensatz zur Arbeit mit dem Stift mit einer körperlichen Befriedigung verbunden, die durch die physikalischen Anstrengungen erzeugt werden. Welche Einfluß auf den Gestaltungsprozess hat das auf längere Sicht?
  • Orientierung/Desorientierung
    Im Gegensatz zur Arbeit mit dem Stift fordert die Arbeit im Großformat ein höheres Maß an Orientierung. Durch den performativen Ansatz geht diese Orientierung im Gesamtkontext der Zeichung – rein durch dessen Dimension – gelegentlich verloren. Der Körper agiert in dem Moment nur noch auf Basis des lokalen graphischen Kontext. Der Zeichenalgorithmus verhindert in diesem Moment gestalterische Konflikte, jedoch entstehen dadurch Binnenstrukturen, die im Gesamtkontext klar auszumachen sind. Wordurch entstehen diese Momente der Desorientierung? Welche Bedeutung hat dabei gestalterische Unaufmerksamkeit?

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